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Seele

Dieser Artikel behandelt die Seele als Merkmal belebter Wesen. Weiteres siehe: Seele (Begriffsklärung).


Das Wort Seele (griech.: psyche, lat.: anima) stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was "die zum See gehörende" bedeutet. Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und der Verstorbenen Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser (Duden-Universalwörterbuch, Mannheim, 2003). Der Begriff wird in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedenen Bedeutungen benutzt.

Ursprünglich bezeichnet die Seele einen als zentral gesehenen Aspekt jedes Menschen. Diese Bedeutung wird vor allem in der Philosophie, den Religionen und in der Psychologie verwendet.

Im übertragenen Sinne wird mit Seele auch ein wichtiges Element eines Gegenstands, eines ideellen Objektes oder mehrerer Menschen bezeichnet.

Der englische Begriff soul deckt sich nicht völlig mit dem deutschen Begriff Seele. Der Begriff soul versteht sich praktisch nur als religiöse Vorstellung einer von Gott geschenkten und nach dem Tod weiterlebenden Seele. Im Deutschen hat der Begriff Seele ebenfalls einen religiösen Hintergrund und wird häufig auch durch den Begriff Psyche (aus dem Griechischen) oder Geist ersetzt.

Inhaltsverzeichnis

Mensch - Tier

In vielen Kulturkreisen wie auch in der Antike wurden sowohl die physische Ähnlichkeit zwischen Menschen und Tieren, gleichzeitig aber auch die Unterschiede (Sprech- und Denkfähigkeit, Werkzeuggebrauch) erkannt. Schöpfungsmythen beantworten diesen Unterschied durch eine dem Menschen innewohnende Seele, die Tieren nicht gegeben ist. Der Ursprung dieser Seele liegt in dieser Sichtweise generell im Bereich des übernatürlichen (Religion). - Sie wird oft mit der Fähigkeit des Menschen, moralisch zu urteilen und zu handeln, verknüpft. - Tieren wird dagegen selten die Fähigkeit zugesprochen, zwischen "Gut" und "Böse" zu unterscheiden.

Die geistige Seele gibt dem Menschen die Fähigkeit, über seine Handlungen zu reflektieren, und damit auch die Verantwortung für sein Handeln. Insbesondere das Reflexionsvermögen und das Verantwortungsvermögen hängen eng mit der Einmaligkeit des Individuums und seiner Persönlichkeit zusammen (siehe Selbstbewusstsein).

Die genaue Beschaffenheit der Seele, ihre Funktion und Bedeutung sowie ihr Ursprung wird in den Religionen und in den Wissenschaften unterschiedlich verstanden.

Theologisch

Gemeinsam ist vielen Religionen, dass die Seele innerhalb ihrer Theologie mehr ist als 'nur' der Körper, sondern etwas Besonderes, oft Unsterbliches. Sie wird als der innerste Kern, das geistige, Leben spendende Prinzip im Menschen angesehen und gilt als gottgeschaffen. Sie bestimmt demnach eine gottgegebene, unverwechselbare Individualität jedes Lebewesens.

Viele Religionen, wie z. B. der Hinduismus, das Judentum, das Christentum (vgl. hier Seelsorge) oder der Islam kennen den Begriff der Seele und haben unterschiedliche Vorstellungen davon entwickelt. Dabei unterscheiden sich die Betrachtungen vor allem in der Art und Weise der Seeleneigenschaften, nicht jedoch bezüglich der Existenz einer Seele an sich.

Insbesondere Hindus glauben an eine Reinkarnation, also an eine Wiedergeburt der Seele, möglicherweise auch im Körper eines Tieres. Der Buddhismus hingegen lehrt zwar auch die Wiedergeburt (als Weitergabe von Karma an eine nächste Existenz), die Existenz einer Seele aber wird - im Gegensatz zu vielen anderen Religionen - strikt verneint.

Christentum

Das Christentum glaubt an ein körpervereinigtes Weiterleben der Seele im Jenseits. Einzelne Bibelstellen scheinen dem zu widersprechen (siehe Levitikus 7,18 und Hesekiel 18,4). Hier wird vom Tod der Seelen gesprochen, was im Christentum als die ewige Verdammnis (Hölle) ausgelegt wird. Weitere Bibelstellen jedoch sprechen auch von der Errettung der Seele (Hebräer 10,39; 1. Petrus 3,20; Jakobus 5,20; Apostelgeschichte 2,27). In dem Hauptströmungen des Christen- und Judentums spielt die Idee der Reinkarnation der Seele keine Rolle.

Laut der Bibel ist die Seele entstanden, nachdem Gott Lebensodem (Geist) in den Körper, der aus Erdreich geformt war, gehaucht hat (1. Mose 2:7). Es gibt zahlreiche Schriftstellen, welche die Beziehung zwischen der Seele und den Sinnen erläutern (5. Mose 12:20; 23:25; Psalm 107:18; Jesaja 32:6 u. a.). Die Seele ist also die Empfindung, die durch die Verbindung eines organischen Körpers mit Odem oder Geist entsteht. Als Redefigur (Synekdoche) beschreibt es ein Wesen vom Blickpunkt seiner Empfindungen aus. Sie bezeichnet sie die Genüsse, sowohl die geringeren, die der Mensch abgibt, als auch die besseren, die er dafür erhält (Seele verlieren und erhalten). Daher ist die Seele nach dem Tod nicht mehr vorhanden, da der Geist zu Gott zurück (Pred. 12:7, Luk. 23:46) und der Körper zurück ins Erdreich (1. Mose 3:19; Pred. 12:9) geht und keine Empfindung mehr möglich ist. Sie ist nicht mehr wahrnehmbar, im "Unwahrnehmbaren" (so die wörtliche Übertragung des griechischen "Hades", oft mit "Totenraum" übersetzt).

Matthäus 22: 23 An jenem Tage kamen Sadducäer zu ihm (Jesus), die da sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie fragten ihn 24 und sprachen: Lehrer, Moses hat gesagt: Wenn jemand stirbt und keine Kinder hat, so soll sein Bruder sein Weib heiraten und soll seinem Bruder Samen erwecken. 25 Es waren aber bei uns sieben Brüder. Und der erste verheiratete sich und starb; und weil er keinen Samen hatte, hinterließ er sein Weib seinem Bruder. 26 Gleicherweise auch der zweite und der dritte, bis auf den siebten. 27 Zuletzt aber von allen starb auch das Weib. 28 In der Auferstehung nun, wessen Weib von den sieben wird sie sein? denn alle hatten sie. 29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret, indem ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes; 30 denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel Gottes im Himmel. 31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft - habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott, der da spricht: 32 "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs"? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. 33 Und als die Volksmenge es hörte, erstaunte sie über seine Lehre.

1. Korinther 15: 12 Wenn aber Christus gepredigt wird, daß er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? 13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. 14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 15 Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16 Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17 Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; 18 so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. (...) 29 Was soll es sonst, daß sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen? 30 Und was stehen wir dann jede Stunde in Gefahr? 31 So wahr ihr, liebe Brüder, mein Ruhm seid, den ich in Christus Jesus, unserm Herrn, habe: ich sterbe täglich. 32 Habe ich nur im Blick auf dieses Leben in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft, was hilft's mir? Wenn die Toten nicht auferstehen, dann «laßt uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!» (Jesaja 22,13) (...) 35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 39 Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. 40 Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 41(...) 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 45(...) 47 Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. 48 Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. 49 Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen.

Das Christentum glaubt an die Auferstehung von den Toten. Dazu der vom Papst herausgegeben Katechismus der Katholischen Kirche:

Was heißt „auferstehen"? Im Tod, bei der Trennung der Seele vom Leib, fällt der Leib des Menschen der Verwesung anheim, während seine Seele Gott entgegengeht und darauf wartet, daß sie einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint wird. In seiner Allmacht wird Gott unserem Leib dann endgültig das unvergängliche Leben geben, indem Er ihn kraft der Auferstehung Jesu wieder mit unserer Seele vereint. (Artikel 997 des Katechismus)
Wer wird auferstehen? Alle Menschen, die gestorben sind: „die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht" (Joh 5, 29) [Vgl. Dan 12,2]. (Artikel 998 des Katechismus)

Reinkarnation

Demgegenüber behauptet die Forschung des Prof. Stevenson (University of Virginia) in einer Untersuchung von etwa tausend Menschen aus allen Kulturkreisen der Erde, dass Kinder Erinnerungen an Reinkarnation in einem frühere Leben besitzen. Seine Forschung ist umstritten und wird nur von einigen Fachleuten anerkannt. Die Forschung zur Seelenreise steht in direktem Zusammenhang mit der Reinkarnationstheorie, wird jedoch theologisch in der westlichen Welt nicht begleitet.

Philosophisch

Die klassische Philosophie (insbesondere Platon und Descartes; nicht so: Aristoteles) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Diese folgt aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, einfache, d. h. nicht zusammengesetze Substanz ist. Weil sie nicht aus Teilen besteht, kann sie auch nicht zerstört werden bzw. vergehen.

Wissenschaftlich

Wissenschaftlich gesehen ist die Seele identisch mit der Psyche. Die Seele ist an ein funktionierendes Nervensystem gebunden. Sie stirbt zusammen mit dem Körper oder beim Hirntod auch schon vor dem Körper.

Mit der Seele befassen sich folgende Wissenschaften: Die Psychologie, die Verhaltensforschung, die Kognitionsforschung, die Neurowissenschaften, die Anthropologie und die Endokrinologie.

Die Forschungen zum Nahtodeserlebnis (engl. near-death experience, NDE) oder die Reinkarnationsforschung werden oft als Pseudowissenschaften angesehen.

Wissenschaftler bewerten Erkenntnisse zur Seele oft unter der Sichtweise ihrer Weltanschauung. - Rein materialistische oder reduktionalistische Wissenschaftler spekulieren, dass die psychologisch betrachteten Vorgänge sich letztendlich auf das komplexe Zusammenspiel biochemischer, elektrischer Prozesse und die Eigenschaften komplexer Systeme des Menschen zurückführen lassen könnten. - Die Seele existiert nach dieser Sichtweise als Bestandteil des Lebendigen und ist genetischen Faktoren sowie der Lebensumgebung des Individuums ausgesetzt.

Zitate

Literatur

Film

Weblinks


Siehe auch: Geist, Seelsorge, Internetseelsorge, Telefonseelsorge, Seelenwanderung, Außerkörperliche Erfahrung, Leib-Seele Problem, Leib, Anam Cara





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