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Die Runneburg (auch Schloß Weißensee) befindet sich in der Stadt Weißensee (Landkreis Sömmerda in Thüringen /BRD)
Vor der heutigen Burg wurde im 6. Jahrhundert eine Wallanlage als Grenzbefestigung
errichtet. Um 1100 errichtete man erste Steinbauten auf der alten Wallburganlage. Ab
1168 ließ die Ländgräfin Jutta Claricia von Thüringen, eine Halbschwester von Kaiser Friedrich Barbarossa, die Runneburg zu
einer Residenz der Landgrafen von
Thüringen mit zweigeschossigem Palas, fünfgeschossigem Wohnturm, Burgtor und
Burgmauer ausbauen. Erstmalig wurde die
Burg als Wyssense 1174 in einer Urkunde von Landgraf Ludwig III., dem Milden v. Thüringen erwähnt. In den Blickpunkt deutscher Geschichte geriet
Weißensee 1180, als Heinrich der Löwe in der Schlacht bei Weißensee den thüringischen Landgrafen Ludwig III. und seine Ritter
besiegte. Es folgten erfolglose Belagerungen der Burg, zunächst 1204 durch König Philipp von
Schwaben und dann 1212 durch Kaiser Otto IV., der als Belagerungsgerät auch eine Blide oder Triboc genannte
Steinschleuder zum Einsatz
brachte. Um 1220 wurde der Palas um einen Festsaal aufgestockt. Landgraf Ludwig IV., der Heilige v. Thüringen, Ehemann der
Heiligen Elisabeth, hielt 1225 auf der Runneburg einen Hoftag ab. Mit dem Tod von König Heinrich Raspe starb 1247 das Geschlecht der Ludowinger aus. Nach dem
hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg fielen die thüringischen Landesteile und somit
auch Weißensee und die Runneburg an Markgraf Heinrich III., der Erlauchte v. Meißen. Die Wettiner Markgrafen weilten häufig und regelmäßig auf der Burg. 1382 kam die Runneburg wieder in den Besitz der Thüringer. Im Mai 1440 starb der
letzte Landgraf von Thüringen, Friedrich
IV., der Einfältige auf der Runneburg, die danach in den Besitz der Herzöge von
Sachsen kam.
Während des Bauernkrieges wurde 1525
den aufständischen Bauern der Einlaß in die Stadt und die Burg verweigert. Ab 1554 diente die Runneburg als Witwensitz der Kurfürsten von Sachsen. In den Jahren
1580/1581 wurden neue Wohngebäude errichtet. Um 1600
folgte die Erbauung des Torhauses und 1738 des „Wagenhauses“. Wegen Baufälligkeit mußte
bereits um 1750 der alte, romanischen Bergfried (Streitturm) abgetragen werden. Von 1656 bis 1746 gehörten Weißensee und die Runneburg zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Nach
dem Wiener Kongreß kamen Stadt und Burg 1815 an das Königreich Preußen; Burgherr wurde der König v. Preußen. In den
Folgejahren wurde die Burg zu Verwaltungszwecken umgebaut. Anstelle einer alten Militärmagazinscheune wurde auf der Burg 1890 das neue preußische Landratsamt für den
damaligen Kreis Weißensee erbaut. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der
Palas in der DDR von 1952 bis 1975 als Schule genutzt, bevor der Gebäudeteil wegen schwerer baulicher
Mängel baupolizeilich gesperrt wurde. Seit 1988 finden auf der Burg bauarchäologischen
Untersuchungen statt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1990 der "Vereins zur Rettung und Erhaltung der
Runneburg in Weißensee/Thür. e.V." gegründet. Gleichzeitig wurden und werden umfangreiche bauliche Sicherungsmaßnahmen
durchgeführt. Der Wohnturm mußte durch ein Stahlkorsett vor dem Einsturz bewahrt werden. Im Jahr 1993 fand das 1.Burgfest und die 825-Jahr-Feier der Runneburg statt. Im gleichen Jahr wurde das Museum (Schatzgewölbe) im Erdgeschoß des Palas eröffnet. 1995 erfolgte
die Gründung des „Historischen Archivs Weißensee“ auf der Runneburg. Die Überführung der Runneburg in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Rudolstadt erfolgte 1996. Im selben Jahr wurde die Burggaststätte "Landgrafen Schenke" eröffnet und die „Runneburg Betriebsgesellschaft
Weißensee mbH„ gegründet. In Erinnerung an die Belagerung der Burg durch Kaiser Otto IV. baute man ab 1996 eine große Steinschleuder nach, die am 1. Juni 1997 mit einem „Steinwurf“ über die Kleingartenanlagen der Stadt erfolgreich getestet wurde. Im „Historischen
Archiv Weißensee“ auf der Runneburg wurde 1998 durch den Historiker Michael Kirchschlager das Weißenseer Reinheitsgebot von 1434 für das Brauen von Bier (Hopfen, Malz und Wasser) entdeckt.
Am 11. August 1999, dem Tag der totalen
Sonnenfinsternis erfolgte erstmals der Wurf einer Feuerkugel mit
der Steinschleuder. Im Dezember 1999 wurde das erste, nach Weißenseer Reinheitsgebot gebraute Bieres auf der Burg (Runneburger
1434er) verkostet.
Derzeit finden weitere bauliche Sicherungsmaßnahmen an den mittelalterlichen Gebäuden statt. Das alte Landratsamt wird für
eine neue Nutzung umgebaut.
Das Burggelände ist frei zugänglich. Wohnturm, Palas und Schatzgewölbe können nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung
besichtigt werden. Die Steinschleuder auf dem Burggelände kann ebenfalls besichtigt werden. Vorführungen (Tag- und Nachtschießen)
finden mehrmals im Jahr im Rahmen kostenpflichtiger Veranstaltungen statt.
http://www.weissenseer-reinheitsgebot.de


