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Die Naturgeschichte bezeichnet
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Vor allem die auf die Methode der vergleichenden Beobachtung beruhenden Wissenschaftszweige, deren Gegenstand historischer Natur war (Kosmologie, Geologie und Mineralogie, Paläontologie, Zoologie und Botanik), wurden unter dem Ausdruck Naturgeschichte zusammengefaßt, in der Regel verknüpft mit naturphilosophischen Betrachtungen. Das Bestreben, in der Naturgeschichte tatsächlich die Geschichter der Natur zu erfassen, geht auf Immanuel Kant zurück, der in seiner " Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels" (1755) den Prozesscharakter der Natur hervorhob, nachdem bis weit in das 18. Jahrhundert hinein die Natur als einmalig Konstantes und in ihrem Wesen (natürlich nicht in in ihren Erscheinungen) unveränderlich betrachtet wurde.
Den Durchbruch zu einer dialektischen Naturanschauung leistete auch G.W.F. Hegel nicht, der die Natur sogar konzeptionell weitgehend aus dem Wirkunsgbereich seines dialektischen Prinzips ausschloss. Erst Friedrich Engels trat in dieser Fragestellung mit seiner Schrift "Dialektik der Natur" hervor. Allerdings haben auch schon vor Engels Naturforscher wie Alexander von Humboldt die dialektische Einheit des Naturhistorischen und Naturgesetlichen tiefhründig erfaßt, wenngleich nicht wirklich ausgearbeitet:
"Das Sein wird in seinem Umfang und inneren Sein vollständig erst als ein Gewordenes erkannt"(in: A. von Humboldt, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, 1. Bd., 1845)
Der Ausdruck "Naturgeschichte" hat seit Aristoteles mehrere Bedeutungswandlungen erlebt. In der Schrift "Historia animalium" (1868) des Aristoteles wird Naturgeschichte im Sinne einer Naturbeschreibung verstanden, wobei sich Aristoteles im Unterschied zur "Historia animalis" von Plinius dem Älteren (der zahlreiche Fabeln und Erzählungen einflochte) auf Beobachtungskenntnisse stützte. Das war der Ansatzpunkt für die Kritik von Francis Bacon in seiner Schrift "De Augmentis Scientiarum" (1623), in der er sich gegen die wissenschaftlich unnützen erzählenden (narrativen) Naturgeschichten wandte und eine Historia naturalis inductiva forderte. Auf der Grundlage der Baconschen Gedanken haben später Georges Luis Leclerc Graf von Buffon, Denis Diderot und vor allem Georges Cuvier (in seinem Werk "Le règne animal", 1816) die Auffassung vom Inhalt der Naturgeschichte weiter präzisiert.
Nach Cuvier sei zwischen der auf Chemie und Physik zutreffenden Naturlehre (deren Methode in der Aufgliederung komplexer Erscheinungen liege) und der Naturgeschichte (die ihre Gegenstände unzergliedert betrachte) zu unterscheiden. Letzteres betreffe vor allem die Wissenschaften vom Leben; ihre wichtigste Methode sei die vergleichende Beobachtung. Auf dieser wissenschaftstheoretischen Basis entwickelte sich Cuvier zu einem der hervorragendsten Vertreter der vergleichenden Anatomie. Das eigentliche historische Element war damit jedoch weitgehend ausgenommen, wenngleich es auf der Tagesordnung der Biologie stand und sich naturphilosophisch und biologisch-theoretisch zunehmend bemerkbar machte (bei Jean-Baptiste Lamarck, Etienne Geoffrey de Saint-Hilaire). Mit der Darwinschen Theorie und ihrer Anwendung auf das gesamte Tier- und Pflanzenreich sowie auf die Entwicklung des Menschen unter Einbeziehung geologischer und kosmologischer Theorien hat der Ausdruck Naturgeschichte eine Bedeutungserweiterung erfahren und galt nicht mehr nur als Synonym für einige naturwissenschaftlichen Disziplinen und ihre hauptsächliche Methode.
Diese Bedeutungserweiterung, mit der das Werden und Sein der gesamten Natur erfaßt wurde, hatte eine wesentliche Stütze in der romantischen Naturphilosophie der ersten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Besonders im Gefolge der Ideen F.W. J. Schellings haben Heinrich Steffens und Lorenz Oken die Naturgeschichte rein philosophisch begründet. Nach Oken manifestierte sich in den Naturkörpern der allgegenwärtige Geist in je unterschiedliche Ausprägungen von Vollkommenheit. Entsprechend wurden Geologie, Mineralogie, Kristallographie und Biologie "geordnet" und klassifiziert. Diese spekulative Naturgeschichte verlor jedoch den Kontakt zu den Naturwissenschaften und erfuhr bald eine harte Kritik damals führender Naturforscher (z.B. Mathias Jacob Schleiden, Justus von Liebig, Ignaz von Döllinger).
In ihren Schriften wurde eine Art empirische Naturgeschichte begründet, die sich strikt gegen jegliche Form des spekulativen, jedoch auch des hypothetischen Denkens richtete. Auch diese Strömung mußte sich festfahren. Die naturtheoretisch-naturphilosophische Literatur seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist um den Ausgleich des empirischen und theoretischen Erkenntnisweges bemüht, wenngleich Tendenzen sichtbar wurden, nach denen das theoretische Element stärker zur Philosophie, das empirische Element hingegen zur Naturwissenschaft gerechnet wird. Nach Ludwig Büchner will die Philosophie dieser Zeit (insbesonderheit seine eigene materialistische Lehre) sich zum "geistigen Mittelpunkt der erfahrungsgemäßen Wissenschaften erheben" (in: Büchner, Fremdes und Eigenes aus dem geistigen Leben der Gegenwart, 1890). Ernst Haeckel hat, insbesonders in seiner Schrift "Die Welträtsel" (1899) die Naturgeschichte zur Grundlage einer umfassenden monistischen Philosophie gewählt.
Heute findet der Ausdruck Naturgeschichte vorwiegend in Verbindung mit naturgeschichtlichen Sammlungen (Gesteine, Fossilien, Rekonstruktionen der Entwicklung der Erde, einzelner Formationen, der Gestaltung der Artcharaktere, schließlich der Individualentwicklung) Verwendung. Eine selbständige Wissenschaftsdisziplin der Naturgeschichte gibt es nicht mehr.
Diese Geschichte wird von den Naturwissenschaftlern mehr oder weniger direkt und mit unterschiedlichen Methoden zunehmend detaillierter untersucht.


