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Jans der Enikel war ein Wiener Patrizier, Dichter und Chronist des späten 13. Jahrhunderts († nach 1302).
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Der Dichter hieß Jans, d.h. Johann, nannte sich auch Jans, der Jansen enikel bzw heren Jansen eninchel, um seine Identität als Enkel eines bekannteren Jans zu unterstreichen. Daraus ergeben sich mehrere Varianten:
Dazu kommen noch die Bezeichnungen Jans der Schreiber - in Wiener Urkunden der Jahre 1275-1302 belegt -, Enenckel von Albrechtsberg - eine Fehlidentifikation des 17. Jahrhunderts -, und Jans von Wien, ein Vorschlag aus dem Jahre 1999.
Jans gehört zu den am besten belegten deutschsprachigen Literaten des 13. Jahrhunderts. Geboren wurde er wohl um 1230-40. Schon sein Großvater war ein führender Patrizier der Stadt Wien. Sein Vater oder vielleicht sein Onkel, der Stadtrichter Konrad, wurde 1239 vom Fürsten Friedrich II geehrt. 1262 trat Konrads Witwe in ein Kloster ein. Mütterlicherseits war Jans mit den wichtigen Familien Paltram und Greif verwandt. Er scheint gute Beziehungen zum Wiener Schottenkloster gepflegt zu haben. Er besaß ein Haus in der Wipplingerstraße (Wildwerkerstraße). Er erscheint in Wiener Urkunden der Jahre 1271-1302, ab 1275 mit der Bezeichnung "Jans der Schreiber", was möglicherweise auf eine Tätigkeit als Stadtschreiber hinweisen kann. Auch sein Sohn (Konrad) und Schwiegersohn (Jörg) sind belegt.
Eine Geschichte der Welt in etwa 30,000 mittelhochdeutschen Versen (Reimpaaren) angelegt. Sie ist spätestens 1272 begonnen, aber möglicherweise schrieb Jans noch in den '80er Jahren daran, und er kann mehrere Fassungen angefertigt haben. Der Inhalt hebt mit dem Schöpfungakt Gottes an, bearbeitet ein Großteil der Erzählstoffe aus dem Alten Testament, vermittelt dann Homerische und andere antike Stoffe, springt dann auf Karl dem Großen über und berichtet weiter von der mittelalterlichen Geschichte bis zum Tod des Kaisers Friedrich II im Jahre 1250. Dieser letzte Kaiser genießt übrigens eine der ausführlichsten Biographien in der Chronik.
Jans hat sein Fürstenbuch wohl nach der Weltchronik verfasst: möglicherweise ist es also um 1280-1290 entstanden. Das Fürstenbuch ist ebenfalls in Reimpaare abgefasst und umfasst etwa 4000 Verse. Es erzählt die Geschichte der Stadt Wien von ihrer Gründung bis in das 13. Jahrhundert. Das Fürstenbuch bleibt unvollendet, doch es reicht fast in die Lebzeiten des Dichters und stellt vermutlich den größten Teil vom ursprunglichen Konzept des Dichters dar.
Der Herausgeber seiner Werke, Philipp Strauch, hat Jans einen Schlechten Ruf verschafft, bezeichnet er ihn doch als Reimschmied, dem jede Dummheit zuzutrauen ist. In der Tat ist Jans eher als Erzähler denn als Dichter zu loben: Die Reime sind oft weit hergeholt, aber die Art, wie er mit Inhalten umgeht, ist genial.
Jans ist einer der frühesten städtischen Autoren in deutscher Sprache. Als Weltchronist knüpft er an eine volkssprachige Tradition an, die vor allem durch die Kaiserchronik, die Weltchronik Rudolfs von Ems, die Sächsische Weltchronik und die Christherre-Chronik vertreten wird, doch dieser Tradition verleiht er als Patrizier völlig neue Akzente.
Vor allem in der Weltchronik bietet Jans literaturgeschichtlich interessante Motive. Unter anderem berichtet er als erster in deutscher Sprache die Geschichte der Päpstin Johanna, und auch die Geschichte von Saladins Tisch, die als literarischer Vorgänger von Lessings Ringparabel in Nathan der Weise gilt. Von großem Interesse ist die Bearbeitung von jüdischem Erzählstoff. Auch die Umschreibung von Bibelgeschichten ist häufig höchst originell.
Die Weltchronik gilt als Quelle für eine Reihe von späteren mittelhochdeutschen Werken, vor allem der Weltchronikkompilation Heinrichs von München und den deutschen Historienbibeln.
Die Weltchronik gilt als sehr interessanter Zeuge zum Geschichtsbild des 13. Jahrhunderts sowie zum Selbstverständnis der Wiener Bürger, doch als Quelle für die dort aufgeführten historischen Ereignisse ist sie nur wenig ergiebig. Höchstens in den letzten tausend Versen, wo es um die Politik der Lebzeiten des Dichters geht, sind ihr historische Erkenntnisse abzugewinnen, etwa zu den Spannungen zwischen Wien und dem Kaiser.
Das Fürstenbuch ist der erste Versuch einer Geschichte der Stadt Wien und enthält einige interessante Informationen, etwa zur Geschichte des Berghofs. Hier findet sich auch die früheste Erwähnung der österreichischen Farben rot-weiß-rot.
Einordnung: Autor | Mittelalter (Literatur) | Literatur (13. Jh.) | Literatur (Mittelhochdeutsch) | Chronik | Österreicher | Mann


